Eine Bahnfahrt, die ist lustig…

Heute morgen bin ich nach einem etwas längeren Wochenendurlaub nach Freiburg zurückgekehrt. Die anderthalbstündige Zugfahrt verlief größtenteils ereignislos, bis auf die letzte Viertelstunde.

Ironischerweise begann es kurz nach der Station Emmendingen – manche Orte werden einfach, sicher zu Unrecht, mit bestimmten Einrichtungen assoziiert. Eine zunächst nicht als zusammengehörig zu identifizierende Gruppe von mindestens drei Leuten betrat das Abteil und nahm Platz. Nach wenigen Sekunden begannen sie sich lautstark zu unterhalten – naja, eigentlich brüllte eher eine Matrone einem gewissen “Dschescho” (oder so) irgendwelche Sätze zu. Anfangs ging es um irgendwelche sozialen Aktivitäten wie Kinobesuche, Ausflüge zum Titisee, und je mehr der untereinander nicht zusammenhängenden Phrasen quer durch das Abteil gerufen wurden, desto genervter (teils auch belustigter) blickten die übrigen Fahrgäste drein. Ich selbst konnte mir das Lachen nicht mehr verkneifen, als der letzte sinnbefreite Satz von Matrone zu dicklichem Kerl hinüberschallte: “Ich glaub’, ich hol’ mir heute ‘nen Saft, Grapefruit oder Orange.”

Ich liebe diesen Moment, wenn sich zehn Fahrgäste flüchtig in die Augen sehen und das Grinsen nicht mehr unterdrücken können. ;-)

Heute durfte ich außerdem die erneute Feststellung machen, dass es unabhängig von Uhrzeit und Wochentag ist, wie voll der Regionalexpress ist. Er ist einfach immer rappelvoll. Mein Glück war, in einem unbedeutenden Flecken wie Rastatt eingestiegen zu sein, also fast ganz am Anfang der Zugfahrt – so hatte ich zumindest von dort bis Offenburg einen Sitzplatz. Ein Wagen mehr würde da nicht schaden!

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Zwischen Stundenplan und Kneipentour

Bei den Theologen ist alles ganz anders. Das merkt man sofort. Während die Lehramtseinführung der Philologen – in meinem Falle also der Anglistik – mit vorab verschickten Teilnehmerkarten, oberherrlich zugewiesenen Beratungsgruppen und eindeutigen Studienverlaufsplänen daherkam, heißt es bei den Theologen: “Jetzt schreibt erst mal jeder seinen Namen auf Kreppband, dann sucht er sich einen nett aussehenden Tutor und dann wird das schon alles.” Das Witzige daran ist: Es wurde tatsächlich. Und zwar schneller und besser als beim Englischen Seminar!

Die heutige Einführungsveranstaltung der Theologischen Fakultät drehte sich hauptsächlich um die Module (zum modularisierten Lehramtsstudium nach neuer GymPO I schreibe ich ein anderes Mal was ;-) ), um die Ansprechpartner und dann um etwas, das uns die Anglisten gar nicht erklärt hatten: das HIS-LSF (HochschulInformationsSystem Lehre, Studium, Forschung). Es wurde von einer Dame erklärt, die eigentlich nicht über das HIS-LSF sprach, sondern das HIS-LSF war: Präzise im Ausdruck (dass sie keine Fehlernummern ausgab, war auch das einzige), dabei aber völlig unfähig, den Endbenutzer ansatzweise nachzuvollziehen. Da die Anmeldung von Vorlesungsbelegungen und Prüfungen allerdings nicht sonderlich kompliziert ist, hat es jetzt auch so alles geklappt.

Heute Abend ist Kneipentour mit den Theologen angesagt (darunter auch zwei Stück aus Rastatt, eine Mitabiturientin von mir und ein Tullaner), morgen früh geht’s weiter mit Theologeneinführung. Am Wochenende erst mal Pause und entspannen.

Das Gefühl des Ertrinkens, das sich bei mir eingestellt hatte, als ich auf meinen völlig unfertigen Stundenplan blickte, hat sich mittlerweile erledigt. Der Stundenplan steht, vorausgesetzt, ich kriege den Platz in dem Seminar, das mir terminlich passt, und nicht in einem der beiden, die gar nicht gehen. 17 Wochenstunden: in Englisch “Introduction to Cultural Studies”, “Introduction to Literary Studies” und “Foundation Course: Grammar and Writing”; in Theologie “Fachspezifische Vertiefung zur Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten – Die sog. Theodizeefrage – das menschliche Leiden als Herausforderung eines monotheistischen Gottesglaubens”, “Einführung in die Religionsphilosophie: Zur Wiederkehr der Religion in der Postmoderne: Die religionsphilosophischen Ansätze von Jacques Derrida (1930–2004), Gianni Vattimo (*1936), Jean-Luc Marion (*1946) und Richard Kearney (*1954)” und “Einführung in die Kirchengeschichte”. (Englische Kurzbezeichnungen sind einfach etwas Tolles.)

Die größte Sorge hat sich also erledigt, ab nächster Woche geht’s los mit Vorlesungen, Seminaren und Übungen. Nachdem es mir gestern entschieden zu kalt und nass wurde, um weiter in die Stadt und nach Hause zu laufen (was eigentlich kein Akt ist und höchstens 15 Minuten dauert), sind mir inzwischen auch alle Busfahrzeiten zu meiner Haltestelle bestens bekannt. Heute morgen wurde der öffentliche Nahverkehr natürlich gleich mal bestreikt, so dass ich doch laufen durfte.

Heute war ich auch zum ersten Mal in der Mensa zum Mittagessen. 2,95 € für ein SchniPoSa, nicht schlecht! Der bargeldlose Zahlungsverkehr mit der UniCard funktioniert mittlerweile auch, das erspart das Kramen nach Kleingeld. So langsam beginnt sich also alles zu akklimatisieren. :-)

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Salve, universitas

Der letzte Post hier stammt vom März – und dementsprechend ist natürlich viel passiert seither. Die ganzen bemerkenswerten und hier ausführlich kommentierten Abivorbereitungen haben letztendlich doch zum Erfolg geführt, und so erhielt ich am 3. Juni mein Zeugnis, allerdings ein falsch bedrucktes, wie mein ganzer Jahrgang, weshalb es nach einer unverschämten Ewigkeit nach einer angemessenen Wartefrist dann ein neues gab.

Der Sommer verlief dementsprechend ereignislos, gab es doch keine Schule mehr, die Schreibenswertes verursachen könnte – Nebenjob an der Tankstelle, regelmäßige spätnächtliche Heimkunft, das übliche Freizeitprogramm. Nebenher: Anmeldung an der Uni. Das Ziel: Englisch und Katholische Theologie auf Lehramt an Gymnasien an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Alternativen, wenns nicht klappt: mit dem Studium bis zum Sommersemester warten. Ergebnis: Es hat geklappt.

Nach dem gestrigen Umzug in mein neues Heim, der keiner größeren Schilderung bedarf (mein Zimmer ist groß genug, die Gegend ist klasse, die Mitbewohner sind alle sympathisch), folgte heute also der erste Unitag. Beziehungsweise, zunächst die Abholung zweier Kommilitoninnen (und Mit-Abiturientinnen) vom Hauptbahnhof zwecks Verfrachtung in ihr neues Heim. Nach der Abholung der Teilnehmerkarten im Foyer des Kollegiengebäudes I (ich werde ab jetzt konsequent KG I verwenden, das Lesen dieses Beitrages ist also Voraussetzung für das Verständnis zukünftiger Posts ;-) ) begann die erste Einführungsveranstaltung der Philologischen, Philosophischen und Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät für Lehramtsstudenten um 14:15 Uhr im Hörsaal 1010.

Von einer Verwaltungsangestellten wurde uns der Dekan der Fakultät vorgestellt, ein recht junger, sympathischer Bart- und Brillenträger, der mich in seiner Redeweise dezent an Volker Pispers erinnerte. Er war zu einigen Scherzen aufgelegt, wohl sehr zum Missfallen ebenjener Verwaltungsangestellten, die das Gesagte anschließend noch etwas “konkretisierte”. Hauptsächlich ging es um das Studium im Allgemeinen, das Lehramtsstudium im Speziellen sowie die nun folgende Einführungswoche. Ergänzt wurden diese Wortbeiträge durch den abgelesenen Erguss des Vorstands vom u-asta (unabhängiger Allgemeiner Studierendenausschuss), der ziemlich genau dem entsprach, was ich von einem asta-Vertreter erwartet hatte, hauptsächlich Geschwätz also, mit der AufforderungIn, dass “mensch” sich doch an der UniversitätIn politisch engagieren sollte, um dasDie LebenIn an der UniversitätIn mitzugestalten und in den zahlreichen GremienInnen für VeränderungInnen zu sorgen.

Nach der Aufspaltung in einzelne Beratungsgruppen, die sich an der Fächerwahl orientierten, und einem etwas chaotischen Auszug aus HS 1010 folgte eine kleine Besprechung des weiteren Ablaufs der Woche sowie eine sehr kurze (und sehr stille) Führung durch die Bibliothek des Fachbereichs Anglistik.

Zu HS 1010 ist anzumerken, dass er für die Anzahl der neuen Lehramtsstudenten ganz bestimmt nicht konzipiert wurde und es dementsprechend ein ziemliches Gedränge gab – dem zu entkommen gelang mir durch die frühzeitige Ankunft vor der letzten Veranstaltung des Tages, 17:30 Uhr: “Einführung in das studienbegleitende Prüfungssystem”. Die Bachelor-Idee macht mittlerweile auch vor dem Staatsexamen keinen Halt mehr, und so erhielten wir einen kleinen Eindruck von Prüfungs- und Studienleistungen, ECTS-Punkten (der geneigte Leser möge es selbst nachschlagen) und dem ganzen Brimborium mit Orientierungs- und Zwischenprüfungen. Ende: 19:00 Uhr, dann nach Hause, essen, ein bisschen am Stundenplan feilen etc. pp. Und eben mal wieder bloggen.

Erster Eindruck von der Uni: Sehr groß, sehr unübersichtlich, sehr kompliziert organisiert – also eigentlich nichts, was einen noch überraschen würde. Weiteres morgen.

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Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Die Reaktionen auf den letzten Artikel, der sich bekanntlich mit der *hüstel* veränderten politischen Lage befasst hat, waren recht unterschiedlich. Die meisten, die ich getroffen bzw. die auf Facebook ihre Meinung durch wildes Klicken auf “Gefällt mir” geäußert haben, waren wohl zufrieden mit dem Artikel selbst, also wohl auch mit der darin zum Ausdruck gebrachten politischen Einstellung. Einige waren es natürlich auch nicht. Das könnte jetzt ein Anzeichen dafür sein, dass

a) der Anteil der politisch Konservativen am LWG überdurchschnittlich hoch ist, was ich für unwahrscheinlich halte;

b) der Anteil der politisch Konservativen in meinem Freundeskreis überdurchschnittlich hoch ist, was ich für wahrscheinlich halte, obwohl ich eigentlich gar nichts gegen Leute habe, die sich nicht mit meinen Ansichten identifizieren können ;-) .

Doch nicht nur unter den Schülern, auch unter den Lehrern scheint die Reaktion unterschiedlich ausgefallen zu sein. Mein Super-Deutschlehrer zum Beispiel war relativ wenig begeistert und teilte meine Ansicht, dass die weiteren Reformen des Schulsystems, die möglicherweise auf uns zukommen, dem nur schaden können. Ein anderer Lehrer (den ich glücklicherweise nicht habe) war offenbar recht zufrieden mit dem Ergebnis (der Prozentanteil von Grünen und SPD deckt sich mit der Schuhgröße seiner Birkenstocksandalen). Der hatte auch etwas von “sozialem Abbau” und “Untergang Deutschlands” nach der Bundestagswahl 2009 gefaselt. Jedenfalls: Ich persönlich war ja immer der Meinung, die Lehrerschaft bestehe hauptsächlich aus SPDlern, aber hin und wieder findet man wohl doch noch einen konservativen Fels in der Brandung.

Apropos Lehrer: Die Lehrer, insbesondere die in Mathe, Deutsch und Englisch, scheinen so erfreut (oder entsetzt) über das Ergebnis der Wahlen zu sein, dass ihnen gar nichts mehr einfällt, was sie uns noch beibringen könnten. Dabei gäbe es doch noch so viel zu lernen, jetzt, wo das Abitur rum ist und wir nur noch auf die Ergebnisse warten! Allein die ganzen Funktionsuntersuchungen in Mathe, die wir noch anstellen könnten, um uns adäquat auf das… das… naja, das, wofür man das halt im Leben auch immer brauchen kann, vorzubereiten.

Dementsprechend haben wir in Mathe am Montag den Känguru-Test 2009 für die dritte und vierte Klasse gelöst (Lehrer: “Da ihr ja bald das Abitur habt, kann ich wohl zumindest davon ausgehen, dass ihr die Grundschulmathematik beherrscht”) und heute anhand einer Verköstigung von Gummibärchen ein bisschen Wahrscheinlichkeitsrechnung wiederholt. Die Ähnlichkeit mit dem Unterricht in Grundschule und Unterstufe ist tatsächlich verblüffend.
Englisch hatten wir bisher noch nicht. Allerdings wüsste ich da noch weniger, was wir jetzt eigentlich noch machen sollen, da der Unterricht seit zwei Jahren ziemlich zielgerichtet auf die Abivorbereitung zugelaufen ist.
In Latein werden wir in den kommenden Wochen spannenderweise verschiedene Autoren, die wir in unserer neunjährigen Lateinkarriere gelesen haben, parodieren und umschreiben, so dass sie etwas mit dem Thema “Schule” zu tun haben, was uns wohl irgendwie dazu bringen soll, uns noch einmal mit den Charakteristika des Autors und des Werkes auseinanderzusetzen. Ich werde die römische Geschichte von Livius in eine Geschichte des LWG umwandeln. Das verspricht zumindest, witzig zu werden, und vielleicht schafft es ja auch den Sprung in die Abizeitung (was heißt vielleicht? Ich mache ja die Abizeitung! Das kommt da auf jeden Fall rein ;-) ).
Und in Deutsch lesen wir jetzt den Roman “Akne Agnes” (ursprünglich wollten wir “Kot Tod in Venedig” lesen). Das Buch Werk beginnt mit dem Satz “Agnes ist tot.” Na was für eine Motivation! Angeblich soll es aber ganz gut sein, also werde ich wohl ein bisschen Zeit dafür opfern.

Also, um das ganze noch einmal zusammenzufassen, wir haben noch zwei Monate Unterricht in allen Fächern, wobei die Lehrer der vierstündigen Fächer auf Nicht-Pflichtlektüren zurückgreifen bzw. Gummibärchen verteilen. Dass wir in den Nebenfächern, in denen wir noch Klausuren schreiben, auch Unterricht haben, leuchtet mir ja in der Tat ein. Mir drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die vierstündigen Fächer nur noch unterrichtet werden, um uns zu ärgern.

Egal, jetzt habe ich es dreizehn Jahre ausgehalten, da werden es die zwei Monate nicht mehr raushauen.

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Grün, grün, grün sind alle meine Kleider…

Landtag von Baden-WürttembergDas da ist das Gebäude des Landtags von Baden-Württemberg in der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Fotografie wurde in der frühen Abenddämmerung aufgenommen; deutlich erkennbar ist die extensive Beleuchtung innerhalb des Gebäudes, die es den Abgeordneten wohl ermöglichen soll, auch abends noch ihrem Tagwerk, ihrer Arbeit zum Wohle aller Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger nachzugehen. Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn:

DIE GRÜNEN SIND DA! Jungs, knipst die Lichter aus, wir müssen Strom sparen.

Spaß beiseite. Am Sonntagabend habe ich mir erst mal ein paar Bier in den Kopf gestellt, um meine ungebremste Freude über den Politikwechsel, den ich mir so lange ersehnt habe, auszudrücken. Oh… vielleicht kennen mich einige der Leser. Also noch mal, Spaß beiseite.

Das werden jetzt bestimmt fünf lustige Jahre. Ich sehe schon bildlich vor mir, wie

a) Die Grünen dabei scheitern, Stuttgart 21 zu stoppen, weil sie aus den verbindlichen Verträgen nicht rauskommen, ohne das Land – ohne neuen Bahnhof – hoch zu verschulden;

b) Die Grünen und die Roten dabei scheitern, das Bildungssystem ihren linken Einheitsbrei-Vorstellungen anzupassen, weil die Baden-Württemberger sich vehement dagegen wehren;

c) Die Grünen zum Einschwenken in der Atompolitik gezwungen sind, weil die Energieversorgung nun mal nicht nur von den Landesregierungen bestimmt wird;

d) In fünf Jahren CDU und FDP (naja, vor allem CDU, bei der FDP ist die Existenz für weitere fünf Jahre ja ohnehin eher fragwürdig ;-) ) eine satte absolute Mehrheit holen und die Scheiße aufräumen können, die ihre Alt-68er-Luft-und-Liebe-ich-kann-guten-Börek-machen-Kollegen da verursacht haben.

Ein gutes hat es vielleicht in der Tat: Wenn die neue Koalition wenigstens in der Lage ist, eines ihrer Wahlversprechen umzusetzen – nämlich die Abschaffung der Studiengebühren – dann kann ich fünf Jahre ohne Gebühr studieren und mich dann gemütlich im zum Konservativismus zurückgekehrten BaWü zurücklehnen. ;-)

Ich habe mir zwischendurch auch die Frage gestellt, ob die Grünen in BW überhaupt so viele Mitglieder haben, dass sie all die Landtagsmandate besetzen könnten… oder wenigstens so viele fähige Mitglieder und nicht nur Quotenkandidaten zur Listenverlängerung. Gleichzeitig frage ich mich, ob eine “Volkspartei” wie die SPD eigentlich noch tiefer sinken muss, bevor sie endlich erkennt, dass sie irgendetwas unglaublich falsch macht. Da wird in Rheinland-Pfalz auch schon mal ein Verlust von zehn Prozentpunkten als Erfolg gewertet! Genauso in BaWü. Zum Juniorpartner der Ökopartei zu werden, das ist schon ein hartes Los für die Sozialdemokraten, die zu den Gründervätern unserer modernen Demokratie zählten.

Es bleibt der Trost, dass SPD und Grüne ja ohnehin nicht über ein Programm verfügen, das irgendetwas mit der Landespolitik zu tun hat, und dass sie deshalb vielleicht eher früh als spät abschiffen werden. Bis dahin: Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, liebe Menschinnen und Menschen, liebe Kretschfrauen und Kretschmänner! Das wird ein Spaß die nächsten fünf Jahre. :-)

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Diverses: Korpo-Krimi, Chemie-/Deutschklausur, Nikolaus

Um die Blogeinträge nicht zu überfrachten und um mir die Last von den Schultern zu nehmen, immer alles in epischer Breite zu schildern (;-)), gibt’s vielleicht zukünftig ab und zu so einen “Diverses”-Eintrag, in dem verschiedene kleine Themen gesammelt werden. Aber nur vielleicht! Nagelt mich bloß nicht drauf fest.

  • Korpo-Krimi. Das ZDF sendete heute Abend um 18:00 Uhr die Krimisendung “SOKO Köln”. Thema heute: Ein junger Verbindungsstudent aus Köln wird ermordet. Man ist es ja als bekennendes Mitglied einer Verbindung (und sei es auch “nur” eine Schülerverbindung) gewohnt, dass nicht immer alle Fakten stimmen. Schlimmstes hat man von einer Folge von “Lenßen & Partner” im Gedächtnis, in der es ums Korporiertenmilieu ging (oder gehen sollte). Die dargestellten Verbindungsstudenten hatten jedoch eher etwas mit Rastatt Bahnhof Ghetto Crime gemeinsam. Auch in diesem Fall war es nicht viel besser. So durften wir erfahren, dass ALLE Verbindungen dem Verschwiegenheitsprinzip verpflichtet sind und NIEMALS einen der “ihren” verpfeifen würden (nicht mal bei einem Mord, nein, natürlich nicht), und dass man die “Tracht” (gemeint war wohl Halbwichs, jedenfalls trugen die Herren das) erst dann auf dem Stammtisch (!) trägt, wenn vier (!) Verbindungsmitglieder anwesend sind. Es wird und wird eben nicht besser. Irgendwann muss ich dazu mal was Ausführlicheres schreiben. Diese kleinen Ungereimtheiten sind ja aber nicht mal das Schlimmste. Nein, die ablehnende Haltung gegenüber Verbindungen (sei sie aus Unwissenheit oder aus politischen Gründen motiviert) wird nicht mal im Zweiten Deutschen Fernsehen verschleiert.
  • Anderes Thema: Heute haben wir die Deutschklausur geschrieben. Bei uns ging es um “Besuch der alten Dame” von Dürrenmatt, gestaltende Interpretation. Andere Deutschkurse durften wie immer Erörterungen schreiben (die perfekte Abivorbereitung). Wer besser dran ist, erfahren wir, wenn die Noten da sind. ;)
  • Morgen schreiben wir Chemie. Oh Gott! Das wird was werden. Die Kalkulationen, die heute teils im Aufenthaltsraum angestellt wurden, waren schon haarsträubend: “Wenn ich in der Klausur null Punkte schreibe, wieviele Punkte brauche ich dann mündlich, um nicht durchzufallen?”
  • Gestern war bekanntlich Nikolaus. Für mich gab’s ein bisschen Geld (z.T. in Biergutscheinform ;) ) und Schokolade. Na, was denn auch sonst, dachte ich mir – doch was musste ich in der Bahn hören? So ein kleiner Kanackenunterstüfler behauptete allen Ernstes, eine X-Box und drei Spiele zu Nikolaus bekommen zu haben! Zum Beweis zückte er sein weißes iPhone 3G und zeigte seinen Mitschülern stolz ein Foto. Oh Herr, in was für einer materialistischen Welt leben wir denn? Hat niemand mehr einen Sinn für die flüssigen Werte des Lebens, oder von mir aus auch die geistigen?
  • Da ich’s ja im vorangegangenen Eintrag von Facebook hatte, hier noch ein etwas älteres, aber trotzdem gutes Video vom SWR mit Pierre M. Krause.
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Gk-Kurs hat ein Bild gepostet… Dir und 3 Kursteilnehmern gefällt das!

Es ereignete sich heute morgen von 7:45 Uhr bis 8:35 Uhr – in der ersten Schulstunde, die ich als Schüler des vierstündigen Gemeinschaftskundekurses im Computerraum verbrachte. Früher, in der Unterstufe, war es etwas ganz Tolles, in den Computerraum zu dürfen. Was konnte man dort alles erleben! Bis heute ist nicht restlos geklärt, welcher Lehrer eigentlich auf die Idee gekommen ist, ein Computerspiel namens “BridgeBuilder” (oder in der älteren Version “Pontifex”) auf den Schulrechnern zu installieren. Generationen von LWG-Schülern müssen sich mit diesem Spiel schon die Zeit in den Schulstunden vertrieben haben! Völlig unbehelligt vom Lehrkörper konnte man da vor sich hin spielen. Leider haben das auch die Pädagogen an unserer Anstalt irgendwann gemerkt; sie griffen natürlich nicht zur naheliegenden Lösung, das Spiel einfach zu deinstallieren (viel zu technisch für Lehrer), stattdessen wurden – um auch gleich alle anderen unerwünschten Tätigkeiten zu unterbinden – die Tische in einem Kreis aufgestellt, die Monitore zur Mitte gekehrt, so dass die Aufsichtsperson alles mitbekommt, was sich so auf den Schülerrechnern abspielt. Diese Romantik wurde dem PC-Raum also schon mal genommen.

Schlimmer noch: Unser Aufenthaltsraum befindet sich im Mittelbau, und von dort aus ist es sehr weit zum Hauptbau. Mindestens 100 Meter. Außerdem muss man auch noch Treppen steigen, bis ins 2. OG. Ganz schlecht am frühen Morgen. Dementsprechend gedämpft war also heute morgen auch die Laune des Kurses vor Beginn der Stunde. Nachdem alle eingetrudelt waren, verteilte die nette Gk-Lehrerin den Arbeitsauftrag – Recherche zum Thema “Asylrecht”. Acht kleine Fragen, die es zu beantworten galt. Ein stinknormaler und dementsprechend auch stinklangweiliger Auftrag, erst recht, da es um “Asyl” geht, womit sich unsereins ohnehin nicht rumschlagen muss, und dann auch noch um “Recht” – der Tod jeder konzentrierten Arbeit. (Na gut, Übertreiben macht anschaulich. ;) )

Die Laune des Kurses besserte sich jedoch schlagartig, als die nette Frau Lehrerin ankündigte, nunmehr zum Sekretariat zu wandeln, um von dort eine Durchsage betreffs Schüleraustausch durch die Hallen der altehrwürdigen Schule erklingen zu lassen. Geschätzte Dauer der Abwesenheit: 7-8 Minuten. Genug Zeit, um schnell mal die neuesten Nachrichten auf Facebook zu checken, womit auch prompt begonnen wurde. Dann geschah etwas Seltsames. Irgendjemandem musste aufgefallen sein, dass das Abitur näherrückt und wir unserer Lehrerin in letzter Zeit ohnehin nicht viel Gutes getan haben, und kam wohl auf die irrwitzige Idee, jetzt den Arbeitsauftrag zu erledigen. Er hatte jedoch neben dieser Idee noch einen weiteren, folgenreichen und beinahe genialen Einfall: Arbeitsteilung über Facebook. Also machte ich mich auf, eine neue Gruppe im geheiligten Netzwerk zu gründen, die den banalen Titel “Gk-Arbeitsauftrag 7.12.2010″ trug. In diese Gruppe wurden alle anwesenden Facebook-Mitglieder eingeladen, und schon ging’s los: Wild wurde im Internet recherchiert, gepostet, gelöscht, nochmal gepostet in einer aktualisierten Version, ergänzt, verbessert, bis am Ende eine fertige Bearbeitung aller acht Aufgaben online und für alle abrufbar war – und das nach nur einer knappen halben Stunde, in der noch genug Zeit geblieben war, auf “Gefällt mir” zu klicken und dumme Kommentare zur Rechtschreibung in den Lösungen oder dem Dekolleté irgendeines unwichtigen Nebencharakters abzugeben. Möglich war das Ganze übrigens nur, weil sich die angekündigte Abwesenheit des Lehrkörpers etwa um das Vierfache verlängerte… :-)

Was war nur geschehen? Alle Aufgaben bearbeitet! In der Pädagogik nennt man dieses Prinzip “Betroffenheit”. Der Schüler muss betroffen sein vom Lerninhalt, es muss ihn also etwas angehen. Das reine Thema Asylrecht hätte dazu nicht sonderlich stark beigetragen. Fügt man dem jedoch den Reiz der virtuellen Kommunikation hinzu, der die meisten von uns tagtäglich an die Rechner lockt, so wird die Arbeit auf einmal nebensächlich; es ist ja richtig cool, eine gelöste Aufgabe zu “posten” und zu schauen, was der Rest so dazu kommentiert, ob’s ihm gefällt oder nicht, welche Videolinks dazu passen und wer wen angestupst hat.

Ein völlig neuer Ansatz der Gruppenarbeit ist entstanden. Von uns entwickelt. Zukünftig müssen die Lehrer nicht mehr mit Plakatrollen und bunten Filzstiften anrücken, nein, Facebook ist das Lernmedium der Zukunft! Ergebnisse sind für alle verfügbar, auch zu Hause zum Wiederholen, Herunterladen, Weiterverbreiten. Hach, wäre das schön… wenn da nicht die Lehrer wären, die die Tische im Raum umstellen, statt das Spiel vom Computer zu deinstallieren. ;-)

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Schtonk!

Den heutigen Blogeintrag – ja, ich weiß, ich hätte auch zwischendurch mal etwas schreiben können – will ich dazu nutzen, ein wenig über Demokratie zu sprechen.

Demokratie, das kommt aus dem Griechischen, genauer von “demos” (das Volk) und “kratein” (herrschen). Wörtlich heißt es also Volksherrschaft. So weit wissen die meisten auch noch Bescheid. Ich will mich hier nun einmal auf die direkte Demokratie beschränken: In ihr trifft das Volk die Entscheidungen direkt, also ohne die Entscheidungsgewalt auf Zeit oder für bestimmte Entscheidungen an Repräsentanten abzugeben (das wäre dann eine repräsentative Demokratie). Wichtig sind für diese direkte Demokratie zwei Prinzipien: Erstens, die Entscheidungen werden vom ganzen Volk per Mehrheitsbeschluss getroffen, und zweitens, getroffene Entscheidungen müssen akzeptiert werden, und zwar auch von denen, die vielleicht für eine andere Option gestimmt haben. Ohne diese zwei Prinzipien kann die Demokratie nicht funktionieren.

In unserem Staat wird Demokratie an vielen Orten umgesetzt. Nicht nur in der Politik selbst, auch in den politischen Parteien, in Vereinen, Organisationen und Gruppierungen wird auf die Umsetzung von Demokratie geachtet, weil sie – zumindest in unseren Breiten, und das auch nicht zu Unrecht – als die beste (verfügbare) Herrschaftsform gilt. So soll natürlich auch in der Schule Demokratie umgesetzt werden, jedenfalls da, wo die Schüler selbst Entscheidungen treffen müssen (also nicht bei der Auswahl der Klassenarbeitstermine oder der mündlichen Noten, das wird aus gutem Grund von oben geregelt). Die Schüler wählen selbst ihre Klassen-, Kurs- und Schulsprecher, die sie in der Schülermitverantwortung (ja, so heißt das: SMV) vertreten. In der 13. Klasse müssen die Schüler ebenfalls einige Entscheidungen treffen: Zum Beispiel, wie das Abimotto lauten soll.

Nun können auch in einer direkten Demokratie Amtsträger bestimmt werden, die die getroffenen Entscheidungen des Volkes umsetzen. Sie sind an die Entscheidungen dieses Volkes (in dem Fall ist das Volk die Stufe 13) gebunden und sind nicht befugt, aus eigener Machtvollkommenheit heraus an diesen Voten etwas zu ändern. Das Abimotto muss demokratisch bestimmt werden, um einerseits der Ideenvielfalt freien Lauf zu lassen, die 125 Menschen entwickeln können, und andererseits, um sicherzustellen, dass am Ende niemand Einspruch gegen das gewählte Abimotto einlegen kann. Denn wie schon gesagt: Eine getroffene demokratische Entscheidung muss von allen akzeptiert werden, ohne Widerspruch. Das gehört dazu.

Sobald aber die Amtsträger, die jetzt im Falle der Bestimmung des Abimottos noch nicht einmal eine demokratische Legitimation besitzen, Korrekturen nach eigenem Gusto vornehmen, ist diese Rechtssicherheit nicht mehr gegeben: Was gilt die Entscheidung schon noch, wenn einige wenige daran herumgedreht haben?

In einer Demokratie ist es genausowenig in Ordnung, so lange über eine Sache abzustimmen, bis das Ergebnis herauskommt, das sich die eingesetzten Amtsträger wünschen. Es wird einmal abgestimmt, und was dabei herauskommt, ist bindend.

Richtig und demokratisch wäre also bei der Bestimmung des Abimottos das folgende Prozedere:

  1. Das Volk (= die Stufe) reicht bei den Amtsträgern (= der Abimotto-Gruppe) beliebig viele Vorschläge für ein Abimotto ein. Alle Vorschläge, und seien sie auch noch so offensichtlich ungeeignet, finden dabei Berücksichtigung.
  2. Die Liste der eingereichten Vorschläge werden der Schuldirektion zur Genehmigung vorgelegt, denn selbstverständlich hat diese im Sinne einer angemessenen Außenrepräsentation der Schule ein Mitspracherecht und kann sich vorbehalten, einzelne Vorschläge zu streichen. Ist das geschehen, bleibt die Liste der zulässigen Vorschläge übrig.
  3. Jetzt muss das Abimotto bestimmt werden. Möglich ist dabei die folgende Vorgehensweise: In einer ersten Abstimmung hat jeder so viele Stimmen, wie er möchte. Die zehn Vorschläge mit den meisten Stimmen werden herausgeschrieben. Es folgt eine zweite Abstimmung, in der jeder noch zwei Stimmen hat, um seine Favoriten zu bestimmen. Übrig bleiben die fünf (oder drei) Vorschläge mit den meisten Stimmen. Dann gibt es eine weitere Abstimmung, eine Stichwahl zwischen diesen fünf (drei) Vorschlägen, bei der jeder nur noch eine Stimme hat. Und was dabei die meisten Stimmen bekommt, ist das Abimotto.

Bei dieser Vorgehensweise wäre sichergestellt, dass a) niemandem Manipulation des Ergebnisses vorgeworfen werden kann und b) das Ergebnis auch von allen akzeptiert wird (oder werden muss).

Jede andere gewählte Vorgehensweise, z.B. eine Vorauswahl der Amtsträger (= Abimotto-Gruppe), sorgt nur für eines: Streit und Frust. Und genau das ist auch passiert, und bisher ist keine Besserung in Sicht. Es kann aber nicht sein, dass einzelne Vorschläge gestrichen oder Abstimmungen wiederholt werden, weil der winzig kleinen und nicht repräsentativen, nicht gewählten Abimotto-Gruppe das von der ganzen Stufe bestimmte Motto nicht passt. Das ist undemokratisch und somit nicht zulässig.

Liebe Abimotto-Gruppe: Wir haben nicht mehr ewig Zeit! Wärt Ihr von Anfang an demokratisch vorgegangen, dann hätten wir schon seit Wochen ein Abimotto. Stattdessen gibt es jetzt Grüppchenbildung und Geklüngel, das nicht zielführend ist.

Auffallend ist, dass diese Abstimmungswiederholungen und Ergebniskorrekturen nicht zum ersten Mal auftreten. Ein anderes Beispiel stammt aus meiner zehnten Klasse, als das Ziel der Klassenfahrt bestimmt werden sollte. Auch da übten einige Schüler(innen) Druck aus, um eine Wiederholung der Abstimmung mit anderen Wahlmöglichkeiten zu erzwingen, und sie haben es auch geschafft. Die Frage ist allerdings: Wie sollen Schüler zu mündigen Staatsbürgern erzogen werden, die hinter der Demokratie stehen, wenn ebendiese Demokratie schon in der Schule derart verkrüppelt und hintergangen wird?

Ich sage: Schluss mit Nachkorrekturen, Schluss mit Änderungen nach dem Gusto einiger weniger! All das schädigt nur den Zusammenhalt in unserer Stufe und versaut uns damit unsere schöne Erinnerung an die Schulzeit.

Ach, und wer den Titel dieses Eintrags noch nicht verstanden hat, kriegt zum Schluss noch ein Video zum Lachen ;-) .

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3,14159…

So viel Prozent von der Motivation, täglich frischen Mutes in die Schule zu gehen, ist vom Anfang der Woche noch übrig. Das liegt jetzt weniger an der Schule – im Ernst, ich gehe gerne dort hin. Nur wünsche ich mir meine Ferien zurück. ;)

Begonnen hat diese wunderbare erste Schulwoche nach den (viel zu kurzen) Herbstferien mit einer Gemeinschaftskunde-Arbeit, deren Punkteverteilung auf die Aufgaben mehr als zweifelhaft erschien, und mit der Mathe-Arbeit heute morgen.

Zwei Stunden Quälerei! Normalerweise gibt es ja nach Mathearbeiten diejenigen, die sagen, “Hey, so schlecht fand ich die Arbeit nicht, das wird schon”. Ja, richtig vermutet: Zu denen gehöre ich nicht. Doch auch diese enthusiastischen Zahlenjongleure konnten diesmal kein Lächeln hervorbringen. Unser Kursbester ist, wie auch der ganze restliche Kurs, nicht mal mit allen Aufgaben in der vorgegebenen Zeit (immerhin von 8:35 Uhr bis 10:20 Uhr) fertig geworden. Und das will etwas heißen! Üblicherweise bin auch ich mit den Mathearbeiten bereits eine halbe Stunde vor Ablauf der Zeit fertig – nicht, weil ich so schnell im Rechnen wäre oder mir die Lösungen zufliegen würden, sondern weil ich alle Aufgaben, die ich mit meinem Kenntnisstand Unkenntnisstand lösen konnte, erledigt habe. Doch selbst ich war diesmal bis ganz zum Ende beschäftigt. Einerseits erfreulich, weil die halbe Stunde Däumchendrehen noch nie sehr spannend war, andererseits aber recht beunruhigend, wenn man bedenkt, dass ich nicht mal mit den Aufgaben fertig geworden bin, die ich vielleicht hätte lösen können.

Meine einzige Hoffnung und die meines Kurses besteht nun in der Gnädigkeit des Leerkörpers geliebten Mathelehrers. Da bin ich doch recht zuversichtlich. Schließlich ist er kein Unmensch.

Auch den anderen vier Mathekursen schien es ähnlich zu ergehen – jedenfalls war die Stimmung nach der Arbeit doch recht bedrückend. Einige kamen aus dem Palaver über die Zahlenmystik nicht mehr heraus, andere reagierten schon gereizt, wenn man beim Hausmeister “zwei Schoki” bestellte. So schieden sich die Geister am Umgang mit dieser furchtbar grässlichen Klausur.

Ach, wenn doch alles so leicht wäre wie Musikarbeiten! Der allseits bekannte, schnauzbärtige Musiklehrer H. beispielsweise kündigte (wohl halb im Scherz) seinem vierstündigen Kurs an, bei der Korrektur der Klausuren nach einer sehr fairen und ganz dem Leistungsprinzip entsprechenden Methode vorzugehen: Alle Arbeiten werden anonym korrigiert und benotet, dann wird die Durchschnittsnote errechnet und alle Schüler des Kurses erhalten diese Note. Natürlich wird das nicht so laufen. Naja, jedenfalls hoffe ich das. Aber es zeigt doch recht deutlich auch das Selbstverständnis der Musiklehrerschaft, die die relative Sinnfreiheit ihres Faches nicht mal zu leugnen versucht. (Wobei ich natürlich das Fach Musik nicht in den Dreck ziehen will. Es ist sicher gut, in den musischen Künsten gebildet zu sein. Gebildet oder eben eingebildet genug, zu glauben, das Geplänkel, das wir im Musikunterricht veranstalten, habe tatsächlich eine Auswirkung auf unseren musikalischen Kenntnisstand.)

Am Freitag steht dann (wahrscheinlich, so genau steht das wohl noch nicht fest) auch schon der Sporttheorie-Ankreuztest bevor. Das gehört jetzt eher zu den leichteren Aufgaben. Ein Beispiel aus der letzten derartigen Klausur. Lehrer: “Also, bei den leistungsmindernden Faktoren, da macht ihr jetzt noch einen Kringel mit einem Kreuz dahinter und schreibt ‘Schule’ daneben, dann kriegt ihr einen Bonuspunkt!” Gegen diese Sporttheorie habe ich (außer der entsetzlichen Langeweile, die sie mir bereitet) eigentlich nichts einzuwenden, da ich einen Ankreuztest deutlich besser meistern kann als die drakonischen Anforderungen eines sächselnden Ex-Bundeswehrlers in Sportlehrerkleidung, der uns manchmal für durchtrainierte KSK-Elitesoldaten zu halten scheint, wenn er seine Bewertungsskala anlegt.

Nächsten Montag ist dann die Latein-Übersetzungsklausur dran. Neunzig Minuten von Senecas philosophischen Ausführungen. Äußerung der Lateinlehrerin zum Thema Seneca: “Mal im Ernst, das machen wir jetzt schon seit einem Jahr, und es ist doch einfach immer dasselbe!” Damit hat sie, obwohl ungewollt, den Nagel der Ödnis auf den Kopf getroffen. Dabei ist das Zeug noch nicht einmal einfach zu übersetzen.

Aber ich will mich nicht beklagen. Schließlich rückt mit jeder Klausur das Abitur näher. Das mag zwar auf den ersten Blick erschreckend erscheinen, aber wenn man bedenkt, dass es nach den paar Abiklausuren dann auch endgültig rum ist (jedenfalls größtenteils) und man schon den süßen Geschmack der Freiheit auf der Zunge schmecken kann, ist das Ganze doch gar nicht so schlimm. Also: Kopf hoch und auf ins Gefecht! Mit der Unterstützung unserer sadistisch anmutenden kompetenten und zuverlässigen Lehrer werden wir das schon packen. Tschaka!

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Lehsen pildet

Geschafft! Herbstferien. Irgendwie war es in den letzten sechs Wochen Schulzeit egal, um wieviel Uhr ich abends ins Bett gegangen bin – ich war morgens todmüde. Ist das vielleicht der dezente Hinweis meines Körpers darauf, dass er nach dreizehn Jahren Schule genug hat? Das würde ich bejahen, wenn ich mir sicher sein könnte, dass die Zeiten des Frühaufstehens nicht in ein paar Jahren zurückkehren. Naja, an der Uni hoffentlich nicht. ;-)

Über die Ferien sollen wir dann auch noch den ganzen Dürrenmattschen “Besuch der alten Dame” für Deutsch und das dritte Buch der Vergilschen “Aeneis” für Latein lesen. Und da ich ja kein Leerkörper bleiben möchte, mache ich das vielleicht sogar! Nur nicht heute. Und morgen auch nicht. Und auch nicht am Sonntag oder am Montag. So viel Zeit muss sein. Körper und Seele müssen sich entspannen und erholen von sechs Wochen Frühaufstehertum. Dieser Heilungsprozess wird heute Abend erst einmal mit einem gemütlichen Bier ein paar gemütlichen Bieren eingeleitet.

Am Sonntag ist ja dann auch noch Halloween. Ich bin mit dem Rest meiner vom amerikanischen Kulturimperialismus begeisterten Truppe übereingekommen, dass der Besuch einer offiziösen Halloween-Party ausgeschlossen ist. Also werde ich mich weder um irgendeine dämliche Verkleidung bemühen, noch den ganzen Abend gezwungen fröhlich und “Süßes oder Saures”-kreischend durch die Gegend rennen müssen. Wie entspannend!

So stelle ich mir Ferien vor. Kein “suuuuuper”, kein “relativ n’bisi”, kein “*grunz* Haitianer!”, kein “Kreuzotternprojekt in den Rheinauen für Hochbegabte” und auch keine wichtigen “Durrrrcccccccchsagen für den Remiremont-Austausch”. Freiheit! Ach ja: Die sechzig Euro wurden heute pünktlich entrichtet. Noch mehr Freiheit. Hoffentlich keine Bauchfreiheit, wenn die Abi-T-Shirts zu klein werden. Aber dazu ein andermal mehr. ;-)

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